Rindermarkt 14

Rindermarkt 14

Es ist unser zweites Haus am Rindermarkt in München, das nun vollendet ist.  In den Jahren 2007 bis 2010 gestalteten wir auf dem gleichen Straßenzug die Hausnummer 5. Seitdem wird diese Architektur, im Bewusstsein der Öffentlichkeit vor allem durch ihre außergewöhnliche Fassadengestaltung stark verankert, inmitten von Münchens Altstadt erfolgreich von Gastronomie und Unternehmen für deren Office-Strukturen genutzt. Ein paar Schritte weiter begannen wir 2016 mit unseren Arbeiten an der Neugestaltung des Rindermarkt 14.

Für die 1A-Lage, für die der Rindermarkt innerhalb von Münchens Innenstadt steht, haben wir wieder ein besonderes Fassadenkonzept entwickelt, das Alt und Neu, Tradition und Innovation miteinander verbindet. Das Unternehmen, das hier Domizil bezogen hat, ist der renommierte spezialisierte Einzelhändler ‚Sport Schuster‘. Interessant ist der Aspekt, dass sich seine Geschäftsräume nicht nur in unserer Architektur, sondern auch im Nachbarhaus mit der Adresse Rindermarkt 13 befinden. Auf der Wunschliste von ‚Sport Schuster‘ stand außerdem die Einrichtung einer passenden Gaststätte für Kunden und Passanten. Die ‚Bar Alpina‘ wurde ins Leben gerufen, deren Speisekarte entsprechend zum genius loci gesund und kraftspendend ist.

Münchens Rindermarkt

Der Rindermarkt ist nicht nur Standort der ältesten Pfarrkirche der Stadt, des ‚Alten Peter‘, sondern auch einer der geschichtsträchtigsten Straßenzüge in München. Die Baugeschichte dieses Terrains ist ab dem hohen Mittelalter dokumentiert. Bis ins 19. Jahrhundert hinein fand hier ein Viehmarkt statt, später ließen sich an diesem Ort reiche Patrizier mit ihren Stadtpalais nieder. Bis zum heutigen Tag gilt für diese Adresse: Jeder, der hier bauen darf, tritt ein großes Erbe an. Unsere Aufgabe bestand darin, einen Nachkriegsbau aus den 1950er Jahren abzureißen und durch eine neue Architektur zu ersetzen, die der Bedeutung dieses Ortes Ausdruck verleiht. Die ‚Parzelle Rindermarkt 99‘, so wird dieser Stadtraum in einem Plan von 1806 genannt, steht unter Ensembleschutz. Wir waren uns der Verantwortung, die die Neugestaltung dieser Adresse mit sich trägt, bewusst und arbeiteten daher eng mit der Lokalbaukommission, dem Denkmalschutz und dem Stadtheimatpfleger zusammen. Die Bilanz dieser Synergien und unserer Arbeit ist stattlich: Durch die Planung gewannen wir etwa ein Drittel mehr an Geschossfläche als der alte Baulinienplan es vorsah. Innerhalb des stark verdichtet bebauten Rinder-markt ist das ein großes Plus, eine Wertsteigerung der Architektur und ein guter Ertrag für den Bauherrn und den Mieter. Errichtet haben wir fünf Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss. 

Außenhaut und Innenleben

In Anlehnung an die alte Front aus der Nachkriegsära bleibt die klassische Lochfassde plan, jedoch haben wir sie so gestaltet, dass sie dem Betrachter ein kleines Trompe d´oeil der besonderen Art bietet. Dieses präsentiert sich außen anders als innen und auf dem rückwärtigen Hof noch einmal anders als an der Schaufassade zur Straße hin. Es ist ein Spiel mit der Perspektive und der Wahrnehmung, die diese Architektur am Rindermarkt lebendig werden lässt und zugleich nobilitiert. Fassaden,  die solchen Ideen verpflichtet sind, gab es in der Architekturgeschichte vor allem in der Renaissance und im Barock, also in der Zeit aufwendiger höfischer Architektur. Die Technik, die in diesen Epochen dafür eingesetzt wurde, war das sogenannte ‚Sgraffito‘. Dabei handelt es sich um eine Putztechnik, bei der Ritzen und Kratzen im Material zum Einsatz kam und so flache Reliefs mit geometrischen Mustern entstanden, die dazu auch Volumen vortäuschten. Wir ersetzten diese Technik durch eine Komposition aus weißen, hell- und dunkelgrauen Fliesen, die so gegeneinander gesetzt sind, dass sie auf der Schauseite je nach Standpunkt des Betrachters dreidimensional zur Geltung kommen können und eine Quaderstruktur vortäuschen. Fliesen haben für den Rindermarkt eine besondere Bedeutung. Die zur rechten Seite angrenzenden Gebäude mit Fassaden aus den 1950er Jahren haben gefließte Schauseiten mit stark stilisierten geometrischen Dekormotiven, denen wir in einer zeitgemäßen Umsetzung folgten, um den Ensemble-Charakter des Straßenzugs hervorzuheben.

Im Kontrast zu der effektreichen Fliesendekoration ist die Fensterordnung betont ruhig gehalten, den Öffnungen verliehen wir durch profilierte Messingrahmen eine gleichmäßige Struktur, die die Fassade schließlich zu einer systematischen Einheit fasst. Im Inneren, im Treppenhaus, wird diese Fassadengestaltung in abgemildeter Form und warmer Farbgebung noch einmal aufgenommen. Hier wurden die Oberflächen der hellgoldbraunen Messingfliesen zusätzlich mit Schleifungen in unterschiedlichen Richtungen behandelt, so dass durch den Lichteinfall  wieder eine leicht dreidimensionale Wirkung der Wandverkleidung entsteht.

Ort

München

Bauherr

HVB Pensionskasse

Zeit

2016-2018

Volumen

1.500 m2

LPH

1-5