Platz für den Rotkreuzplatz Platz für den Rotkreuzplatz Platz für den Rotkreuzplatz Platz für den Rotkreuzplatz

Platz für den Rotkreuzplatz

STÄDTEBAU-HAPPENING / OSA hatte in 2004 sein Architekturbüro in der Frundsbergstraße 17, einen Steinwurf weit entfernt vom Rotkreuzplatz. Triste niedrige Nachkriegsarchitektur für den Handel, darunter ein Kaufhaus aus den 1970er-Jahren im regionsuntypischen Backsteingewand, Ausfransung in noch niedrigere Gefilde in Form alter Bebauungen aus der Vorkriegszeit - das sind die Wahrzeichen des Rotkreuzplatzes.

In Form eines kulinarischen Happenings schlug OSA eine Reform des Rotkreuzplatzes vor, das zu munteren Diskussionen ohne ernsthafte Folgen anregte. Ein gezeichneter Bebauungsplan und Architekturmodelle aus Fingerfood, Lebensmitteln und Süßigkeiten wurden zu Bausteinen für die Neugestaltung. Mächtig türmten sich Tramezzini und Tortenstücke als prägende Turmbauten an den Ecksituationen der Nymphenburger und der Donnersberger Straße. Eine rechteckige, teils, aber eben nur teils für den Straßenverkehr offene Piazza wurde ins Zentrum gerückt, gesäumt von Gurkenscheiben und Fleischpflanzerln als Platzhalter für eine Kante aus Lärchenbäumen. Die Piazza selbst sollte es nach dem Entwurf im wahrsten Sinne des Wortes in sich haben: Ein großer, artifizieller See unterspült sie! Dieser wird mit dem beliebtesten aller Lebensmittel im Freistaat gespeist, mit Bier. Der See versorgt einen Brunnen an der Platzoberfläche, aus dem der gelbe Gerstensaft eruptiv wie isländische Geysire heraussprudelt. Wird die Piazza auf Höhe des Brunnens befahren, versickern die Geysire automatisch. Ist die Piazza verkehrsfrei, sprudeln sie fontänenartig immer weiter. In diesen Momenten dürfen die Durstigen zugreifen, zumindest in der Fiktion.

Die Realität holte diese schnell wieder ein. Das kulinarische Städtebaumodell war im Nu von seinen Urhebern, den Gästen und Neugierigen verschlungen.

Ort

München Rotkreuzplatz

Bauherr

OSA

Zeit

2004

LPH

1-2